Interview
mit dem Leiter des CHEMPARK Leverkusen,
Dr. Ernst Grigat, über die
Wettbewerbsvorteile des
Chemiepark-Konzeptes und die Kooperation
mit Nanjing
"Wir sehen diese
Partnerschaft wie eine Brücke."
(Quelle:
CHEManager)
Die kürzlich geschlossene Partnerschaft
mit dem Nanjing Chemical Industry Park (NCIP)
ist die weltweit erste zwischen
Chemieparks. Sie bezeichneten sie als
einen wichtigen Baustein auf dem Weg in
die Zukunft. Welche Absichten verfolgen
Sie mit der Vereinbarung?
Dr. Grigat
(Foto l.):
„Unser
Ziel ist es, Europas attraktivster
Chemiepark zu werden und die Marke
CHEMPARK international bekannt zu machen.
Die Anziehungskraft des CHEMPARK ist durch
ein einzigartiges Leistungsangebot und
-spektrum gekennzeichnet. Um diese
Produktionsbedingungen potenziellen
Investoren bekannt und zugängig zu machen,
ist in der heutigen vernetzten Welt ein
globales Handeln notwendig. Die
geschlossene Partnerschaft ist ein
Beispiel dafür. Dabei spielen für uns
Wachstumsregionen natürlich eine
entscheidende Rolle. China mit seinem
dynamischen Wirtschaftswachstum nimmt für
uns einen besonderen Stellenwert ein.
Heute schon sind zahlreiche chinesische
Firmen in Deutschland ansässig. Wir
erwarten, dass chinesische Investoren in
der Zukunft auch Produktionskapazitäten in
Europa errichten möchten. Dann wollen wir
den Blick auf uns gerichtet haben – wir
wollen ein Ansprechpartner sein, mit dem
auf jeden Fall bei solch einem Vorhaben
gesprochen wird.
Durch die vereinbarte Kooperation mit dem
Nanjing Chemical Industry Park schaffen
wir eine vertrauensvolle Basis zur
Zusammenarbeit. Sie erstreckt sich nicht
nur auf rein wirtschaftliche Aspekte,
sondern ermöglicht auch, sich gegenseitig
persönlich besser kennen zulernen. Das
hilft, Mentalitäten zu verstehen und über
den direkten Dialog ein Miteinander für
den gemeinsamen Erfolg zu entwickeln. Wir
sehen diese Partnerschaft wie eine Brücke.
Sie eröffnet uns Kontakte zu chinesischen
Produktionsfirmen, die in Europa Geschäft
machen möchten. Zudem tauschen wir uns zu
Sachfragen aus und unterstützen einander
bei Marketingaktivitäten. Das Ziel ist auf
beiden Seiten, den Markt und die
Mentalität des Gegenübers noch besser
kennenzulernen.“
Welche
Signalwirkung erhoffen Sie sich davon?
Dr. Grigat:
„Wir zeigen, dass wir nach vorne denken
und unsere Stärken mit zukunftsfähigen
Konzepten und Partnerschaften stärken und
ausbauen wollen. Die internationale
Vernetzung ist dabei ein wesentlicher
Aspekt. Sie eröffnet uns vielversprechende
Möglichkeiten, weitere Kontakte zu anderen
chinesischen und ausländischen
Produktionsgesellschaften herzustellen.“
Chemie- und
Industrieparks gewinnen auch in China an
Bedeutung. Soll CURRENTA, die
Betreibergesellschaft des CHEMPARK, mit
der Vereinbarung auf ein Engagement als
Parkbetreiber im Ausland vorbereitet
werden?
Dr. Grigat:
„Es geht nicht darum, einen Chemiepark im
Ausland zu betreiben. Vielmehr wollen wir
in dem zunehmend internationalen Geschäft
von den Erfahrungen, dem technischem
Know-how und den Entwicklungspotenzialen
profitieren. Dies beruht auf
Gegenseitigkeit und stärkt die Entwicklung
beider Regionen. Wir versprechen uns
davon, die Kompetenz unserer Beschäftigten
sowie die Attraktivität des CHEMPARK
nachhaltig zu steigern und unser Geschäft
in der Zukunft auszubauen.“
Wie schätzen Sie
das Interesse chinesischer Investoren an
Deutschland als Chemiestandort ein?
Dr. Grigat:
„Grundsätzlich ist Deutschland mit seiner
Wirtschaftskraft und seiner Lage im
Zentrum von Europa für chinesische Firmen
ein interessanter Markt. Die Chemieregion
NRW ist mit seiner Infrastruktur und
gepaart mit den Möglichkeiten des CHEMPARK
für Firmen im Chemiesektor von großem
Interesse. Vieles deutet darauf hin, dass
chinesische Unternehmen zukünftig in
Deutschland und Europa ihr Engagement
ausbauen wollen. Dabei kann der CHEMPARK
als wichtige Drehscheibe dienen, um
Rohstoffe bereitzustellen, logistische
Prozesse zu unterstützen oder hier zu
produzieren und von hier aus die Kunden zu
bedienen.“
Im Herbst
besuchten Sie China mit einer deutschen
Delegation. Ist bereits ein Gegenbesuch
einer chinesischen Delegation geplant?
Dr.
Grigat: „Wir
bereiten derzeit den Gegenbesuch der
chinesischen Partner vor. Der ist für das
Frühjahr in der Planung. Dabei werden wir
die Kontakte weiter intensivieren und
sicher auch neue Ideen aufgreifen. Unser
langfristiges Ziel ist es natürlich, dass
in der Zukunft Anfragen aus China für
Ansiedlungen im Chempark eingehen. Bis es
dazu kommt, ist ein langer Weg
zurückzulegen. Die Partnerschaft mit NCIP
gibt uns aber dafür eine gute
Perspektive.“
Mit welchen
Kernkompetenzen oder Leitthemen wollen Sie
die Investoren davon überzeugen, dass der
CHEMPARK die richtige Adresse ist?
Dr. Grigat:
„Dank unserer zentralen Lage inmitten der
wichtigsten Chemieregion Europas sind rund
350 Millionen Verbraucher vom CHEMPARK aus
innerhalb einer LKW-Tagesreise zu
erreichen. Anbindungen per Schiff über den
angrenzenden Rhein, die Nähe zu den
internationalen Flughäfen Düsseldorf und
Köln-Bonn sowie den internationalen
Seehäfen Antwerpen und Rotterdam bedeuten
weitere Vorteile. Intern verfügen wir über
einen gewachsenen einzigartigen Verbund –
von der Rohstoffanlieferung über die
Produktion bis hin zur fachgerechten
Entsorgung. Eine etablierte Infrastruktur
über Straße und Schiene ermöglicht es uns,
sämtliche logistische Herausforderungen
professionell zu meistern. Als großes Plus
für Investoren sehen wir unsere Stärke
rund um das CHEMPARK-Leitthema `Innovative
Werkstoffe´. Als Technologien der Zukunft
verfügen `Innovative Werkstoffe´ über ein
hohes wirtschaftliches Potenzial. Für uns
sind sie ein Schlüsselthema der Zukunft,
um neue Märkte und Anwendungsfelder zu
erschließen, Kräfte zu bündeln und
attraktiv für Neuansiedlungen zu werden.
Vor allem von der Bio-, Nano- und
Mikrotechnologie sowie neuen Materialien
werden wichtige wirtschaftliche Impulse
erwartet. Dies sind die Technologien der
Zukunft, die langfristiges Wachstum
begründen und klare Anreize für Investoren
darstellen. Leverkusen sehen wir dabei als
den richtigen Standort für das Management
eines solchen Netzwerkes.“
Das Modell des
Chemieparks gilt allgemein als ein
wesentliches Alleinstellungsmerkmal der
deutschen Chemie. Sehen Sie darin ein
zukunftsfähiges Erfolgsmodell, mit dem
deutsche Standorte für ausländische
Investoren attraktiver werden?
Dr. Grigat:
„Auf jeden Fall. Die gerade erläuterten
Faktoren und Vorteile sprechen da für
sich. Wir stellen unser Fachwissen
gebündelt und maßgeschneidert zur
Verfügung. Chemieunternehmen wollen
Produkte herstellen. Ihre spezifischen
Produktionsfertigkeiten bringen sie
zumeist mit. Chemieparks wie der CHEMPARK
bieten als Kernkompetenz das Management
der Rahmenbedingungen, so dass sich die
Unternehmen voll und ganz auf ihr
eigentliches Geschäft konzentrieren
können.
An unseren
Standorten sind bereits Unternehmen aus
vielen Ländern tätig. Wir besitzen die
Erfahrung, auf deren Bedürfnisse,
Denkweisen und strategischen Vorstellungen
kompetent eingehen zu können. Ausländische
Investoren können sich mit Hilfe von
Chemieparks wie zu Hause fühlen.“
Und welche
Nachteile hat Deutschland bei
standortrelevanten Kriterien? Immerhin
stehen Sie im direkten Wettbewerb mit
anderen Standorten im benachbarten
Ausland.
Dr. Grigat:
„Eine auf dem `Branchentag Chemie´ des
NRW-Wirtschaftsministeriums vorgestellte
Studie von Booz & Company hat die Stärken
und Schwächen von NRW und Deutschland im
internationalen Vergleich aktuell
dargelegt. Als Stärken werden unserer
Region etwa die gut ausgebildeten
Fachkräfte, die Infrastruktur sowie die
Forschung und Entwicklung zugesprochen.
Schwächen haben wir in Konkurrenz zum
europäischen Ausland bei den
Energiekosten, bei steuerlichen Anreizen
und Subventionen sowie leider auch bei der
Akzeptanz von Großprojekten in der
Bevölkerung.
Rechnen Sie bei
der Beseitigung dieser Nachteile mit einer
konkreten Unterstützung seitens der
Politik? Wie arbeiten Sie auf Landes- oder
Bundesebene mit den politischen Gremien
oder Wirtschaftsverbänden zusammen?
Dr. Grigat:
„Wir stehen selbstverständlich in engem
Dialog sowohl mit der Politik als auch mit
den Nachbarn unserer Standorte. Dies ist
ein kontinuierlicher Prozess. Denn wir
agieren ja nicht auf einer losgelösten
Insel, sondern sind Teil des gesamten
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und
sozialen Miteinanders. Austausch und
Diskussion ist im Sinne konstruktiver
Lösungen unabdingbar. Im Bereich der
`Innovativen Werkstoffe´ beispielsweise
streben wir ein Netzwerk mit Unternehmen,
Verbänden und Hochschulen an, mit denen
bereits Gespräche geführt werden. Das
langfristige Ziel besteht darin, Partner
aus Politik, Industrie, Wissenschaft,
Forschung und Verbänden zusammenzubringen,
um die Attraktivität der Region zu
steigern, ihr Profil national und
international zu stärken und so eine
Sogwirkung auf Investoren auszuüben.
Für all unsere
Aktivitäten gilt: Investoren sollen sich
bei uns wie zu Hause fühlen.“
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