Marburg. Nach zehn Monaten Bauzeit weihte der Standortbetreiber
Pharmaserv am 16. August 2010 das neue Logistikzentrum
M484 im Werksteil Görzhausen ein. Der mit einer
Gesamtfläche von 2.640 Quadratmetern große Lagerbau bietet
Raum für circa 2.800 Palettenplätze und dient der
Vereinnahmung, Lagerung und dem Versand von
Fertigarzneimitteln sowie weiteren Warengruppen. Mit der
Fertigstellung des neuen GMP-Lagers setzt Pharmaserv einen
weiteren Meilenstein für eine erfolgreiche Zukunft am
Standort Behringwerke.
von
links: Thomas Janssen
(Geschäftsführer Pharmaserv), Egon Vaupel (Oberbürgermeister
der Universitätsstadt Marburg), Carola Adler (Leiterin
Warehousing, Pharmaserv), Ulrich Triebel (Projektleiter
Pharmaserv), Dr. Martin Egger (Leiter Logistik, Pharmaserv),
Martin Hobi (Director Logistics Europe, CSL Behring), Conrad
Holetzeck (Head of Warehousing & Distribution Management,
CSL Behring), Dr. Roland Martin (Geschäftsführer CSL
Behring)
Zukunftsweisendes Lagergebäude
„Das
neue Logistikzentrum zeigt unsere Innovationskraft bei der
Umsetzung partnerschaftlicher Konzepte und unterstreicht
die Leistungsfähigkeit von Pharmaserv“, erklärt Thomas
Janssen, Geschäftsführer Pharmaserv. Die Erstellung des
neuen Lagers stellt für den Standortbetreiber die
umfangreichste Einzelinvestition in der Firmengeschichte
dar. Hauptnutzer ist CSL Behring, ein weltweit führendes
Unternehmen
im Bereich der Plasmaprotein-Biotherapeutika.
Die Besonderheit dieses Logistikgebäudes, das nach
pharmazeutischem Standard erstellt ist, besteht in den
unterschiedlichen Temperaturbereichen (2 bis 8 Grad
Celsius und 15 bis 25 Grad Celsius), die es ermöglichen,
empfindliche Fertigarzneimittel zu lagern, kommissionieren
und luftfrachtgerecht zu verpacken. Die Temperatur im
sogenannten „Ambient Bereich“ (15 bis 25 Grad) wird durch
ein modernes Luftkanalsystem gewährleistet. Je nach
Temperatur wird durch Stoffschläuche, die an der Decke
befestigt sind, kalte oder warme Luft in den Lagerbereich
geführt und dort gezielt verteilt. Im Kaltbereich (2 bis 8
Grad) sorgen redundante Kälteverdichter, Verdampfer- und
Schleusensysteme für eine sichere Kühlkette.
Optimaler Prozessablauf
Durch
die direkte räumliche Anbindung an das vor vier Jahren in
Betrieb genommene Lagergebäude M 483 konnten die Prozesse
weiter optimiert werden: Die Wareneingangsanmeldung von
Rohstoffen und Stückgut erfolgt wie gehabt.
Fertigarzneimittel, Handelswaren, oder Einzelteile werden
im neuen Lagerbüro in M484 angemeldet. Je nach Ware und
Temperaturanforderung wird dem Fahrer ein entsprechendes
Tor zugewiesen. Die Ware wird daraufhin entladen und im
Wareneingangsbereich M484 kalt oder warm bereitgestellt.
Eine spezielle absenkbare Überladebrücke im Warmbereich
erleichtert den Entladungsprozess bei kleineren
Fahrzeugen. Die Verladetechnik im Kaltbereich ermöglicht
einen Be- und Entladevorgang, ohne dass die Ware einer
Veränderung der Umgebungsbedingungen ausgesetzt ist. Der
LKW fährt geschlossen bis zur Rampe, an der das Heck des
LKW mit einem Airbag umschlossen wird, bevor die Tür
geöffnet und die Rampe ausgefahren wird. Im
Wareneingangsbereich erfolgt die Kennzeichnung der
Paletten mit einem Etikett samt Barcode zur eindeutigen
Identifizierung und Rückverfolgbarkeit. Die Angaben auf
dem Lieferschein werden mit der Ware und gegebenenfalls
den übertragenen Schnittstellendaten genauestens
abgeglichen. Ist die Prüfung erfolgreich, werden
systemseitig die optimalen Lagerplätze reserviert und die
Einlagerungsbefehle per Funk an den Stapler gesendet. Nach
Verbringung der letzten Palette auf den Lagerplatz wird
der Wareneingang gebucht und gegebenenfalls über
Schnittstellen übertragen.
Reibungslose Kommissionierung und Warenannahme
Das
GMP-Lager verfügt über Verschieberegal-Anlagen, die eine
optimale Platzausnutzung gewährleisten.
Die Kommissionierung der Ware
erfolgt Regalweise. Als Lagerverwaltungssystem wird
die Navision-basierte Lösung „SNC-Logistics“ angewandt.
Dieses System ist voll in das ERP-System von Pharmaserv
integriert und über mehrere Schnittstellen, sowohl im
Rohstoff- und Produktionshilfsmittel- als auch im
Fertigarzneimittelbereich mit dem Kunden-ERP von CSL
Behring verbunden. Dadurch wird eine optimale Integration
der Prozesse gewährleistet.
Die
Avisierung einer Auslagerung erfolgt ebenfalls über die
Schnittstelle. Die Information, welche Verpackung die Ware
erhält, liegt der Lieferung von CSL Behring bei.
Systemseitig werden dem Staplerfahrer die Plätze und
Paletten angezeigt, die in den Packbereich gebracht werden
müssen. Er bestätigt die Aufnahme und Verbringung der Ware
durch Scannen der Barcodes. Im Packbereich wird die Ware
nach Vorgabe und Packschema des Kunden gepackt. Je nach
Anforderung werden die Emballagen
(Packmittel) mit Kühlakkus bestückt. Nach
Beendigung des Verpackungsprozesses wird die Ware
abgemessen, gewogen, die ermittelten Daten systemseitig
erfasst und über die Schnittstelle an CSL Behring
übermittelt. Nach diesen Daten richten sich
Ausfuhranmeldung und Frachtraumplanung. Zusätzlich zu den
Verpackungsschritten werden die Einheiten mit sogenannten
Datenloggern versehen, die eine nahtlose Dokumentation und
Überwachung der Temperaturführung ermöglichen. Ist der
Warenausgang nicht zeitnah avisiert, wird die Ware in die
Bereitstellungszone (Warm- oder Kaltbereich) umgelagert.
Am Tag der Verladung werden die Aufträge im
Warenannahmebereich bereitgestellt und nach Verladung in
den LKW gebucht. Die Warenausgangsbuchung wird ebenfalls
über Schnittstellen in Echtzeit an CSL Behring übertragen.
Reglementierter Beauftragter für Luftfracht
Die
Kommissionierung und Verpackung von
Luftfrachtsendungen erfolgt ebenfalls im neuen GMP-Lager.
Als reglementierter Beauftragter für Luftfracht ist
Pharmaserv trotz verschärfter Sicherheitsstandards
autorisiert, Waren zur direkten Verladung in Flugzeuge zu
transportieren – ohne zeitraubenden Sicherheitscheck auf
dem Flughafen. Sollte die Luftfracht aufgrund ungeplanter
Vorkommnisse dennoch als „unsecured“ eingestuft werden,
gewährleistet ein Dienstleistungsvertrag die
ordnungsgemäße Prüfung durch die vorgeschriebene
Röntgenkontrolle. Mit der Zulassung zum „Reglementierten
Beauftragten“ kann Pharmaserv somit für die
Luftfracht-Sendungen ihrer Kunden eine durchgehende
Sicherheitskette gewährleisten.
Monitoringsystem (MOPL) im GMP-Lager
Um die
unterschiedlichen Temperaturzonen in dem neuen
Logistikzentrum zu überwachen, hat Pharmaserv
Temperatursensoren an definierten Stellen im Lagergebäude
installiert, die mit einem digitalen
Prozessvisualisierungssystem verbunden sind, in dem
Grenzwerte programmiert und geschaltet sind. Um den
GMP-Anforderungen zu entsprechen, werden die Messwerte,
Störmeldungen und Benutzereingriffe in einer Datenbank
aufgezeichnet. Das Prozessvisualisierungssystem stellt
aktuelle Messwerte und Diagramme dar, leitet Störmeldungen
weiter und versendet Statusmeldungen. Der Vorteil
gegenüber einem herkömmlichen stationären Leitsystem liegt
in der besonderen Handhabung dieser Technologie: Alle
Ansichten und Funktionen können mit entsprechender
Berechtigung über das Internet abgerufen werden.
Pharmaserv
ist der Standortbetreiber der Behringwerke Marburg. Täglich
sorgt der Dienstleister dafür, dass rund 4.500 Mitarbeiter
hier reibungslos arbeiten können. Darüber hinaus betreut das
Standortunternehmen mit ca. 400 Mitarbeitern zahlreiche
pharmazeutisch und biotechnologisch orientierte Unternehmen
deutschlandweit.
Das Pharmaserv-Leistungsspektrum umfasst:
•
Projektierung, Bereitstellung und komplette Betreuung von
Anlagen und Gebäuden
• Energiemanagement und Energiebereitstellung mit hoher
Versorgungssicherheit
• Entwicklung und Realisierung von modernen Informations- und
Kommunikationslösungen
• Integrierte technische Serviceleistungen von der Planung bis
zur schlüsselfertigen Produktionsanlage
• Logistikleistungen, inkl. GMP-Lager für pharmazeutische
Ausgangsstoffe
• Arbeitsmedizinische Dienste, Beratung bei Umweltschutz-,
Arbeitssicherheits- und Entsorgungsmaßnahmen